Auf einen Blick
- Feigen vermehrst du am zuverlässigsten über Stecklinge, nicht über Samen: nur so bleibt die Sorte erhalten.
- Die sicherste Methode ist Steckholz aus verholzten Vorjahrestrieben, geschnitten im Spätwinter von KW 6 bis 12.
- Ein Steckholz von 15 bis 25 cm bewurzelt im Wasserglas oder in lockerem Substrat bei rund 20 Grad in drei bis sechs Wochen.
- Im späten Frühjahr gelingen auch grüne Kopfstecklinge, dann brauchst du hohe Luftfeuchte unter einer Haube.
- Absenker sind die entspannteste Variante: einen Trieb in die Erde biegen und die Mutterpflanze macht die Arbeit.
Eine Feige aus dem eigenen Garten zu verschenken hat etwas Schönes: Du gibst nicht irgendeinen Baum weiter, sondern genau die Sorte, die bei dir seit Jahren süße Früchte trägt und die kalten Winter übersteht. Das Beste daran ist, wie einfach das geht. Kaum ein Obstgehölz lässt sich so mühelos vermehren wie die Feige. Ein handlanges Stück Zweig, ein Glas Wasser auf der Fensterbank, etwas Geduld, und ein paar Wochen später hängen weiße Wurzeln daran. Dieser Artikel zeigt dir die drei Wege, die im Hausgarten wirklich funktionieren, und wann du welchen wählst.
Warum Stecklinge und nicht Samen
Feigen kannst du zwar aus den winzigen Kernen in der reifen Frucht ziehen, für den Garten lohnt sich das aber nicht. Sämlinge weichen genetisch von der Mutterpflanze ab, tragen oft erst nach vielen Jahren und liefern häufig kleine, geschmacklose oder gar keine brauchbaren Früchte. Bei uns kultivierte Feigen sind fast immer selbstfruchtende Sorten, die ohne die spezielle Feigenwespe reifen. Diese Eigenschaft vererbt sich über Samen nicht verlässlich.
Ein Steckling dagegen ist ein Klon: genetisch identisch mit der Mutter. Deine winterharte Feige 'Bornholm' oder die frühe 'Ronde de Bordeaux' bleibt genau das, was sie ist. Du weißt vom ersten Tag an, welche Früchte kommen, wie frosthart der Baum wird und ob er einmal oder zweimal im Jahr trägt. Genau deshalb ist die Stecklingsvermehrung der Standardweg, während Aussaat eine Spielerei für Neugierige bleibt.
Was am Baum gut trägt, gibst du über den Zweig weiter, nicht über den Kern.
Alte Gärtnerregel
Der beste Zeitpunkt: Steckholz im Winter
Das zuverlässigste Ausgangsmaterial ist sogenanntes Steckholz: ein gut verholztes Stück Vorjahrestrieb, geschnitten in der Ruhephase, bevor der neue Austrieb beginnt. Das passende Fenster liegt im Spätwinter bis zeitigen Frühjahr, etwa von Anfang Februar bis Anfang April, also rund KW 6 bis 14. In dieser Zeit steckt die ganze Kraft der Pflanze noch in den Reserven, und die schlafenden Augen treiben nach dem Schnitt bereitwillig durch.
Wähle einen kräftigen, bleistiftdicken Trieb aus dem letzten Jahr. Grünes, weiches Holz fault leichter, sehr altes Holz bewurzelt schlecht. Der ideale Trieb ist fest, glatt und trägt mehrere gut sichtbare Knospen. Wenn du ohnehin im Frühjahr deine Feige schneidest, fällt das Material praktisch nebenbei an.
Achte beim Schnitt auf die Augen: Am unteren Ende schneidest du dicht unter einem Auge, am oberen Ende ein Stück über einem Auge. Aus den unteren Augen kommen die Wurzeln, aus den oberen der neue Trieb. Ein Steckholz von 15 bis 25 cm mit drei bis fünf Augen ist ideal. Kürzer trocknet leicht aus, länger braucht unnötig viel Kraft.
Steckholz schneiden und bewurzeln
Trieb auswählen und ablängen
Schneide von einem gesunden, verholzten Vorjahrestrieb ein 15 bis 25 cm langes Stück. Unten gerade und dicht unter einem Auge, oben schräg und etwas über einem Auge. Die Schrägkante oben hilft dir später, das obere vom unteren Ende zu unterscheiden.
Untere Augen vorbereiten
Vorhandene Blätter am unteren Ende entfernst du. Manche Gärtner ritzen die Rinde am unteren Zentimeter leicht an, das regt die Wurzelbildung zusätzlich an. Bewurzelungspulver ist bei Feigen nicht nötig, sie wurzeln von allein.
In Wasser oder Substrat stellen
Stelle das Steckholz entweder in ein Glas Wasser, sodass die unteren zwei Augen bedeckt sind, oder stecke es zur Hälfte in lockeres, durchlässiges Anzuchtsubstrat aus Erde und Sand. Beides klappt, das Wasserglas macht den Fortschritt sichtbar.
Hell und warm halten
Ein heller Platz ohne pralle Mittagssonne bei rund 20 Grad ist perfekt, etwa eine Fensterbank über der Heizung. Wechsle das Wasser im Glas alle paar Tage, halte Substrat gleichmäßig feucht, aber nie nass.
Nach dem Bewurzeln topfen
Nach drei bis sechs Wochen zeigen sich die ersten Wurzeln. Sind sie zwei bis drei Zentimeter lang, setzt du die Jungpflanze vorsichtig in einen kleinen Topf mit normaler Pflanzerde. Wasserwurzeln sind empfindlich, arbeite behutsam.
Ob Wasser oder Erde ist Geschmackssache. Im Glas siehst du jeden Fortschritt und kannst faulende Stücke sofort aussortieren, dafür müssen sich die zarten Wasserwurzeln nach dem Topfen erst an die Erde gewöhnen. In Substrat gebildete Wurzeln sind robuster, aber du siehst nichts und musst auf Verdacht gießen. Wer zum ersten Mal Feigen vermehrt, startet am besten mit ein paar Steckhölzern im Glas, das gibt schnell ein Erfolgserlebnis.
Grüne Kopfstecklinge im Sommer
Hast du das Winterfenster verpasst, ist noch nichts verloren. Im späten Frühjahr bis Frühsommer, von Mai bis Juni, gelingen auch grüne Kopfstecklinge aus den frischen, noch weichen Triebspitzen. Schneide ein Stück mit zwei bis drei Blattpaaren, entferne die unteren Blätter und halbiere die verbleibenden großen Feigenblätter, damit sie weniger Wasser verdunsten.
Der Haken bei grünem Material: Es welkt schnell, weil es noch keine Wurzeln hat, aber schon verdunstet. Deshalb brauchst du hohe Luftfeuchte. Stülpe eine durchsichtige Tüte oder einen umgedrehten Gefrierbeutel über den Topf, oder nutze ein kleines Zimmergewächshaus. Lüfte täglich kurz, damit sich kein Schimmel bildet.
Was grüne Stecklinge brauchen
- Weiche TriebspitzenJunge, noch nicht verholzte Triebe des laufenden Jahres, mit zwei bis drei Blattpaaren.
- Hohe LuftfeuchteEine Haube oder Tüte über dem Topf hält die Feuchte oben und verhindert das Welken.
- Halbierte BlätterGroße Feigenblätter halbierst du, das senkt die Verdunstung, ohne die Photosynthese ganz zu stoppen.
- Warmer StandortRund 20 bis 24 Grad und helles, indirektes Licht bringen die Wurzeln am schnellsten.
Absenker: die entspannteste Methode
Wenn du deine eigene Feige im Garten stehen hast und es besonders bequem magst, ist der Absenker unschlagbar. Dabei bleibt der Trieb bis zur fertigen Bewurzelung mit der Mutterpflanze verbunden und wird von ihr versorgt. Ausfälle sind dadurch selten.
Biegsamen Trieb wählen
Suche im Frühjahr einen langen, elastischen Trieb weit unten am Strauch, der sich ohne zu brechen bis auf den Boden biegen lässt.
Trieb eingraben
Biege ihn bogenförmig herunter, grabe den mittleren Teil etwa 10 bis 15 cm tief ein und fixiere ihn mit einem Draht- oder Asthaken. Die Triebspitze schaut aufrecht aus der Erde.
Feucht halten und warten
Halte die Stelle gleichmäßig feucht. Über die Saison bilden sich an der vergrabenen Stelle Wurzeln.
Abtrennen und pflanzen
Sobald kräftige Wurzeln da sind, meist im Herbst oder im folgenden Frühjahr, trennst du den Absenker von der Mutter und pflanzt ihn an seinen neuen Platz.
Von der Jungpflanze zum Baum
Die bewurzelte Jungfeige verbringt ihr erstes Jahr am besten im Topf an einem geschützten, sonnigen Platz. So kannst du das Gießen kontrollieren und die Pflanze bei Frost einfach hereinholen. Junge Feigen sind deutlich frostempfindlicher als etablierte Bäume, deren Wurzeln bis minus 12 Grad aushalten.
Ausgepflanzt wird am besten im späten Frühjahr nach den Eisheiligen, an eine warme Süd- oder Hauswand mit durchlässigem Boden ohne Staunässe. Die Wärme der Mauer beschleunigt die Fruchtreife und hilft über den Winter. Mehr zum richtigen Setzen junger Obstgehölze findest du in unserem Leitfaden zum Pflanzen von Obstbäumen.
Ficus carica
- Familie
- Moraceae
- Standort
- Warme Süd- oder Hauswand, durchlässiger Boden, keine Staunässe
- Saison
- Vermehrung KW 6 bis 12, Ernte August bis Oktober
- Wasserbedarf
- Mittel, junge Pflanzen gleichmäßig feucht halten
- Frosthärte
- Etabliert bis etwa minus 12 Grad, jung frostempfindlich
Häufige Fragen
Häufige Fragen zur Feigenvermehrung
Wie lange braucht ein Feigensteckling, bis er Wurzeln hat?
Bei rund 20 Grad und ausreichend Licht zeigen sich die ersten Wurzeln meist nach drei bis sechs Wochen. Im Wasserglas siehst du sie direkt, in Substrat merkst du es am neuen Austrieb und daran, dass sich der Steckling nicht mehr leicht herausziehen lässt. Geduld lohnt sich: Manche Stücke brauchen etwas länger, ohne dass etwas falsch läuft.
Kann ich einen Feigensteckling einfach in Wasser bewurzeln?
Ja, das ist bei Feigen sogar eine der einfachsten Methoden. Stelle das Steckholz so ins Glas, dass die unteren ein bis zwei Augen im Wasser stehen, halte es hell und warm und wechsle das Wasser alle paar Tage. Sobald die Wurzeln zwei bis drei Zentimeter lang sind, topfst du behutsam in Erde um, denn Wasserwurzeln sind empfindlich.
Wann ist der beste Zeitpunkt, um Feigenstecklinge zu schneiden?
Für Steckholz aus verholzten Trieben ist der Spätwinter bis zeitige Frühjahr ideal, etwa von KW 6 bis 14, bevor der neue Austrieb beginnt. Für grüne Kopfstecklinge aus weichen Triebspitzen passt der späte Frühling bis Frühsommer, von Mai bis Juni. Beide Fenster funktionieren, das Winter-Steckholz ist aber die verlässlichere Wahl.
Bleibt die Sorte bei der Stecklingsvermehrung erhalten?
Ja. Ein Steckling ist genetisch identisch mit der Mutterpflanze, du bekommst also exakt dieselbe Sorte mit denselben Früchten und derselben Frosthärte. Nur bei der Aussaat aus Samen weichen die Nachkommen ab und tragen oft keine brauchbaren Früchte. Für sortenechte Feigen führt deshalb kein Weg an Stecklingen oder Absenkern vorbei.
Muss ich Feigenstecklinge im ersten Winter schützen?
Junge Feigen sind noch frostempfindlich, anders als etablierte Bäume. Lass die Jungpflanze im ersten Jahr am besten im Topf, damit du sie bei strengem Frost hell und kühl hereinholen kannst. Wird sie ausgepflanzt, deckst du den Wurzelbereich dick mit Laub oder Stroh ab und wickelst die Triebe in Vlies. Nach einigen Jahren wird die Feige deutlich winterhärter.
Quellen und weiterführende Artikel
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