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Magazin28. Juli 2026 · 14 Min. Lesezeit

Moos im Rasen: Ursache statt Symptom bekämpfen

Moos ist eine Anzeigepflanze, kein Angreifer. Es zeigt verdichteten Boden, Schatten, sauren pH oder Stickstoffmangel an. Wie du die Ursache misst statt rätst, warum Kalk nur nach Messung ausgebracht wird und wie der Fahrplan über ein Jahr aussieht.

Das Gartenkern-Team
Garten & Redaktion
Von Moos überzogene Rasenfläche unter kahlen Bäumen im Halbschatten eines Gartens
Wo kaum Licht ankommt und der Boden feucht bleibt, übernimmt das Moos die Fläche fast vollständig. · Foto: Patrick Roper, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons
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Im Frühjahr stehst du an der Terrassentür und siehst statt Rasen einen weichen, gelbgrünen Teppich. Beim Draufsteigen federt es. Ziehst du mit dem Rechen durch, hebt sich eine ganze Matte ab, darunter liegt nackte, klamme Erde.

Der Reflex ist immer derselbe: Vertikutierer raus, Moosvernichter kaufen, weg damit. Zwei Monate später ist das Moos wieder da, oft dichter als vorher.

Das liegt daran, dass Moos kein Angreifer ist. Es verdrängt nichts, es besetzt, was frei ist. Was im Rasen wächst, sind fast immer Laubmoose (Bryophyta): Sie haben keine echten Wurzeln, brauchen wenig Nährstoffe und kommen mit wenig Licht aus. Sie sitzen dort, wo das Gras aufgegeben hat. Der Reihe nach also: was dir das Moos verrät, wie du die Ursache misst statt rätst, und wie du über ein Jahr vorgehst.

Auf einen Blick

  • Moos ist eine Anzeigepflanze, kein Schädling. Es wächst in die Lücken, die Verdichtung, Schatten, saurer Boden oder Nährstoffmangel hinterlassen.
  • Erst messen, dann kalken. Kalk auf Verdacht treibt den pH über das Ziel und blockiert die Nährstoffaufnahme. Teststreifen kosten wenige Euro, die Laborprobe 20 bis 40 Euro.
  • Kalk und ammonium- oder harnstoffhaltigen Dünger nie am selben Tag. Zusammen setzen sie Ammoniak frei, der Stickstoff verflüchtigt sich. Da fast jeder Rasendünger auf Harnstoff oder Ammonium aufbaut, gilt die Regel praktisch immer. Dazwischen gehören vier bis sechs Wochen.
  • Vertikutieren ist Symptombehandlung. Es reißt die Moosmatte heraus und öffnet die Narbe. Ohne Nachsaat baust du dem nächsten Moos nur ein Saatbett.
  • Unter vier Stunden Sonne hält keine normale Rasenmischung durch. Ab vier Stunden trägt noch Schattenrasen, zwischen drei und vier Stunden nur mit jährlicher Nachsaat, unter drei Stunden ist eine Staudenfläche die ehrliche Antwort.

Was das Moos dir über deinen Boden erzählt

Gras ist ein Konkurrenzstratege. Solange es Licht, Luft im Boden und Stickstoff bekommt, bildet es eine so dichte Narbe, dass Moossporen keinen Platz zum Keimen finden. Sporen sind immer da. Ob sie ankommen, entscheidet die Lücke. Die Frage ist deshalb nie „wie werde ich das Moos los“, sondern „warum hat das Gras hier aufgegeben“.

Ein erster Test dauert zwei Minuten: Stich mit dem Spaten ein Stück Narbe aus, etwa 20 cm tief, und schau dir die Kante an. Wurzelt das Gras nur in den obersten zwei bis drei Zentimetern? Ist die Schicht darunter grau oder riecht faulig? Dann heißt die Antwort Verdichtung und Staunässe.

Die vier Ursachen, an denen es meistens liegt

Woran es meistens liegt

  • Bodenverdichtung und StaunässeTrittbelastung, lehmiger Untergrund, ein Bauschutt-Horizont aus der Bauzeit. Die Poren sind zu, Sauerstoff kommt nicht an die Wurzeln. Erkennbar an Pfützen, die nach einem normalen Regen noch Stunden stehen bleiben, manchmal bis zum nächsten Tag. Die Spatenprobe ist die Gegenprobe.
  • Zu wenig LichtNordseite, Hauswand, eine Fichte, die in zwölf Jahren doppelt so breit geworden ist. Fällt die direkte Sonne unter etwa vier Stunden am Tag, wird die Narbe dünn, und Moos übernimmt zuerst dort.
  • Saurer Boden unter dem Zielwert deiner BodenartAuf Sand liegt der bei etwa pH 5,5, auf schwerem Lehm bei 6,5. Darunter sind Phosphor und Stickstoff schlechter verfügbar, das Bodenleben arbeitet langsam. Moos stört das nicht. Typisch für Sandböden und Standorte unter Nadelbäumen.
  • Nährstoffmangel, vor allem StickstoffWer nie düngt, aber wöchentlich mäht und den Schnitt abfährt, entzieht der Fläche jedes Jahr Stickstoff. Ob wirklich etwas fehlt, zeigt die Bodenprobe mit Phosphor, Kalium und Magnesium, nicht das Bauchgefühl.

Meistens wirken mehrere zusammen: Der Schatten unter der Birke macht die Narbe dünn, dort verdunstet weniger, und wo Wasser steht, verdichtet sich der Boden schneller. An nur einer Schraube zu drehen bringt wenig.

Zwei Pflegefehler kommen unabhängig vom Standort dazu. Wer dauerhaft unter etwa 3 cm mäht, schwächt die Narbe systematisch: Weniger Blattmasse heißt weniger Photosynthese und weniger Wurzel. Und wer kurz, aber oft wässert, hält nur die obersten Zentimeter feucht. Das Gras wurzelt dann flach, dem Moos genügt genau diese Oberflächenfeuchte. Besser selten und durchdringend gießen, dafür mit 15 bis 20 Litern pro Quadratmeter.

Keine Ursache sind übrigens Gänseblümchen, Weißklee, Löwenzahn oder Gundermann. Die zeigen anderes an und sind für die meisten Gärten eher Gewinn als Problem.

Erst messen, dann kalken

Verdichtung und Licht siehst du. Der pH-Wert ist der Punkt, an dem am meisten falsch läuft, weil ihn niemand sieht und trotzdem jeder eine Meinung dazu hat, denn „Kalken hilft gegen Moos“ geistert durch jeden Baumarkt.

  1. Mischprobe ziehen

    Nimm an sechs bis zehn Stellen Erde aus 0 bis 10 cm Tiefe unter der abgeschnittenen Narbe, in einem Eimer mischen, davon rund 500 g abfüllen. Lass die obersten Zentimeter nicht weg: Genau dort sammelt sich unter Filz und Moos die Versauerung. Prüfe die Mengenvorgabe deines Labors, manche wollen mehr. Eine Probe von einer Stelle sagt fast nichts.
  2. Teststreifen oder Labor

    Teststreifen reichen für die grobe Ampel „sauer oder nicht“. Sie messen in Wasser und zeigen deshalb rund eine halbe Einheit mehr an als das Labor, das in Calciumchlorid misst. Nahe an der Schwelle gehört die Probe zur LUFA oder in ein privates Labor: 20 bis 40 Euro, dazu Phosphor, Kalium, Magnesium und eine Kalkempfehlung.
  3. Zielwert nach Bodenart einordnen

    Bei Sandböden liegt der Zielbereich bei etwa pH 5,5 bis 6,0, bei lehmigen Sanden bei 6,0 bis 6,5, bei schweren Lehm- und Tonböden bei 6,5 bis 7,0. Das sind Laborwerte. Ein Sandboden mit pH 6,0 braucht keinen Kalk, auch wenn dort Moos wächst.
  4. Nur bei echter Unterschreitung kalken

    Liegst du deutlich darunter, streue kohlensauren Kalk: auf Sand etwa 100 bis 150 g pro Quadratmeter je Gabe, auf Lehm bis rund 250 g. Ist der Bedarf größer, verteilst du ihn auf zwei Jahre, statt alles auf einmal auszubringen. Nur kohlensaurer Kalk, kein Brannt- oder Löschkalk: Der verätzt die Narbe. Danach wässern und erst im Frühjahr darauf erneut messen, vorher zeigt die Messung ohnehin kaum etwas.

Kalk und Stickstoffdünger nie gleichzeitig

Treffen Kalk und ammonium- oder harnstoffhaltiger Dünger aufeinander, entweicht ein großer Teil des Stickstoffs als Ammoniak. Du bezahlst Dünger, den die Pflanze nie sieht. Lass mindestens vier, besser sechs Wochen dazwischen. Im Jahresverlauf heißt das: Kalk ins zeitige Frühjahr, Dünger frühestens vier bis sechs Wochen danach. Nach der Herbstdüngung in KW 40 bis 44 ist das Jahr für Kalk gelaufen.

Kleintraktor mit Aerifizierer zieht Löcher in eine Rasenfläche, davor blühen Narzissen
Aerifizieren löst die Verdichtung. Im Hausgarten reicht eine Grabegabel. · Foto: Eirian Evans, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Aerifizieren bringt die Luft zurück

Beim Aerifizieren stichst du Löcher in die Fläche, statt sie oberflächlich aufzureißen. Profigeräte ziehen mit Hohlspoons Erdkerne heraus, im Hausgarten tut es eine Grabegabel: einstechen, etwa 8 bis 10 cm tief, leicht anheben, ohne die Narbe umzuklappen, alle 15 bis 20 cm wiederholen.

Arbeite nur auf leicht feuchtem, nicht nassem Boden. Nasser Lehm verschmiert an der Lochwand und verdichtet zusätzlich, knochentrockener Boden lässt die Gabel nicht auf Tiefe. Volle Zinken verdrängen den Boden zur Seite, statt ihn wie ein Hohlspoon herauszuholen, deshalb ist das Besanden im nächsten Schritt keine Kür. Auf 30 m² schaffst du das in gut einer Stunde, und den Unterschied merkst du beim nächsten Regen.

Besanden: der Schritt, den fast alle auslassen

Aerifizieren allein hält nicht lange. Die Löcher fallen nach ein paar Wochen wieder zu, besonders in lehmigem Boden. Deshalb gehört unmittelbar danach Sand hinein: gewaschener Quarzsand 0/2 mm, kein Spielsand und kein ungewaschener Bausand mit Lehmanteil. Rechne mit etwa 3 bis 5 Litern pro Quadratmeter. Aufstreuen, dann mit dem Rechenrücken einarbeiten, bis der Sand in den Löchern verschwunden ist.

Besanden lohnt sich in Etappen

Wiederhole Aerifizieren und Besanden zwei bis drei Frühjahre in Folge. Die Sandkanäle bleiben und verbessern die Wasseraufnahme der obersten zehn Zentimeter. Liegt darunter eine dichte Schicht aus Lehm oder Bauschutt, hilft das nur begrenzt. Dann führt der Weg über tiefere Lockerung oder eine echte Drainage.

Rasen im Vergleich: links dicht und grün nachgewachsen, rechts verfilzt und lückig
Links wurde zwei Monate zuvor vertikutiert und nachgesät, rechts blieb es verfilzt. · Foto: Pierre.hamelin, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Vertikutieren nur mit Nachsaat im selben Gang

Der Vertikutierer schneidet mit senkrechten Messern durch Moos und Rasenfilz. Er stellt keine Ursache ab, er räumt das Ergebnis weg. Danach sieht die Fläche zwei Wochen furchtbar aus, weil die Narbe offen liegt.

Genau diese Stellen entscheiden alles Weitere. Wird sofort nachgesät, keimt Gras. Wird nicht nachgesät, keimt das, was ohnehin da ist. Mehr in Vertikutieren gegen Moos.

Vor dem Gang gehören drei Dinge geprüft. Mähe kurz auf 2 bis 3 cm, damit die Messer überhaupt an die Matte kommen. Die Oberfläche muss abgetrocknet sein, der Boden darunter feucht, aber nicht nass: In nasser Moosmatte reißen die Messer, statt zu schneiden, und ziehen ganze Placken samt Erde heraus. Und Rasenflächen unter zwei bis drei Jahren vertikutierst du gar nicht, die Narbe ist dafür noch zu jung.

Stell die Messer dann so ein, dass sie die Bodenoberfläche gerade eben 2 bis 3 mm anritzen. Läuft der Vertikutierer höher, geht er über die Moosmatte hinweg und schneidet sie gar nicht. Läuft er tiefer, reißt er Wurzeln und Erde heraus. Danach abrechen, nachsäen mit etwa 20 bis 25 g Saatgut pro Quadratmeter und drei bis vier Wochen feucht halten. Details in Rasen nachsäen bei Kahlstellen.

Dichte, kräftig grüne Rasennarbe aus flacher Perspektive, dahinter Bäume und ein Haus
Das Ziel: eine Narbe so dicht, dass Moos keinen Platz zum Keimen findet.· Foto: Distinct Lawns, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Wenn schlicht zu wenig Licht ankommt

Es gibt Flächen, auf denen alles Messen und Besanden nichts hilft, weil der Standort das Gras nicht trägt: der Nordstreifen zwischen Haus und Zaun, der Bereich unter einer breiten Krone, der Winkel hinter der Garage. Beobachte dort, wie lange direkte Sonne ankommt, einmal vor dem Laubaustrieb und einmal im Hochsommer. Ab vier Stunden hat Schattenrasen eine Chance, zwischen drei und vier Stunden nur, wenn du jedes Frühjahr nachsäst: Solche Mischungen enthalten viel Lägerrispe (Poa supina) und Rotschwingel, die mit wenig Licht besser klarkommen als Weidelgras.

Bleibst du unter drei Stunden, ist Rasen dort die falsche Idee. Das ist keine Niederlage, sondern eine Standortentscheidung. Funkien, Elfenblume, Golderdbeere, Efeu oder Immergrün machen aus der Ecke in zwei Jahren eine Fläche, die keine Nerven mehr kostet.

Efeu und Immergrün sind giftig

Alle Pflanzenteile von Efeu und Immergrün sind giftig, der Saft von Efeu reizt außerdem die Haut. Funkien enthalten Saponine, die Hunden und Katzen auf den Magen schlagen. Wo kleine Kinder oder Haustiere unterwegs sind, nimm stattdessen Golderdbeere und Elfenblume.

Im Schatten höher mähen

Auf Schattenflächen brauchst du jedes Blatt für die Photosynthese. Stell den Mäher dort auf 5 bis 6 cm, während sonnige Bereiche mit 3,5 bis 4,5 cm auskommen. Zwei Schnitthöhen klingen umständlich, kosten aber nichts und halten die Narbe im Schatten dichter. Siehe Rasen richtig mähen.

Eisen-II-Sulfat: die Notlösung mit Nebenwirkung

Eisen-II-Sulfat verbrennt Moos in wenigen Tagen. Die Fläche wird schwarz, das Moos stirbt ab, du kannst es abrechen. Als Übergang vor einer geplanten Sanierung ist das vertretbar, als Dauerlösung sinnlos: Die Ursache bleibt unangetastet, das Moos kommt in derselben Saison zurück.

Dazu kommt eine Nebenwirkung, die ausgerechnet in diesem Artikel schwer wiegt: Eisen-II-Sulfat versauert den Boden. Auf ohnehin sauren Sandböden und nach einer Kalkung arbeitest du damit gegen genau die Ursache, die du bekämpfen willst. Wer es trotzdem einsetzt, misst den pH danach neu.

Und es verfärbt alles, worauf es gerät, dauerhaft rostbraun: Betonplatten, Klinker, Holzdielen, Schuhe, Hosenbeine. Streue mit dem Streuwagen und mit Abstand zu Platten und Fugen. Eisen-II-Sulfat wirkt über den Kontakt mit dem feuchten Moos und braucht Einwirkzeit, deshalb kommt es auf taufeuchten, nicht auf nassen Rasen. Danach nicht sofort beregnen: Die meisten Gebrauchsanleitungen verlangen ein bis drei Tage ohne Wassergabe, gewässert wird erst, wenn danach kein Regen kommt. Was für dein Produkt gilt, steht auf der Packung, und die Packung hat recht, nicht dieser Absatz.

Im Regal stehen dabei zwei rechtlich verschiedene Dinge nebeneinander. Ein zugelassener Moosvernichter ist ein Pflanzenschutzmittel: Er trägt eine Zulassungsnummer, und seine Gebrauchsanleitung ist bindend, samt Anwendungsbestimmungen, Gewässer- und Abstandsauflagen und der Frist, ab wann die Fläche wieder betreten werden darf. Ein als Eisendünger verkauftes Produkt ist ein Düngemittel: keine Zulassungsnummer, keine solchen Auflagen, und nach seiner Zweckbestimmung ist es kein Moosmittel. Wirken tut es trotzdem. Wer es gezielt gegen Moos ausbringt, wendet es außerhalb jeder Zulassung an. Wenn du zu Eisen greifst, dann zum zugelassenen Mittel und nach Anleitung.

Nicht auf Wege, Einfahrten und Terrassen

In Deutschland ist die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln auf befestigten Flächen ohne Ausnahmegenehmigung der zuständigen Landesbehörde verboten, geregelt in Paragraf 12 des Pflanzenschutzgesetzes. In Österreich untersagen die Pflanzenschutzmittelgesetze der Bundesländer die Anwendung auf befestigten und versiegelten Flächen ebenfalls, die Details unterscheiden sich je Bundesland. In der Schweiz ist die Regel am schärfsten: Auf Dächern, Terrassen, Wegen, Plätzen und Straßen gilt nach der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung ein Verwendungsverbot für Herbizide, und für Private führt dort kein Weg über eine Ausnahmegenehmigung. Ein als Dünger deklariertes Eisenprodukt ist davon nicht ausgenommen: Wer es dort gegen Moos streut, wendet es als Herbizid an. Der Grund ist Abfluss: Von Pflaster läuft das Mittel in die Kanalisation und von dort in Gewässer. Für Moos in Fugen bleibt die Fugenkratze das Mittel der Wahl.

Moos abräumen dauert ein Wochenende. Moos fernhalten dauert ein Jahr, weil du dafür den Boden änderst und nicht die Oberfläche.

Gartenkern-Redaktion

Der Fahrplan über ein Jahr

Liest du das im Hochsommer, also um KW 31 herum, ist das Frühjahrsfenster für dieses Jahr vorbei. Kein Problem: Für die Nachsaat ist der Spätsommer der bessere Zeitpunkt, weil der Boden warm ist und die Konkurrenz durch Beikraut nachlässt.

  1. Jetzt · KW 31 bis 34: messen

    Bodenprobe ziehen und pH bestimmen, Spatenprobe machen, die Sonnenstunden der Problemzonen notieren. Kostet eine Stunde und entscheidet über alles Weitere.
  2. Ende August bis Mitte September · KW 35 bis 38: nachsäen

    Der Boden liegt über 10 °C, die Nächte werden feucht. Mähen, nachsäen, andrücken, drei bis vier Wochen feucht halten. Kein Kalk in diesem Fenster.
  3. Oktober · KW 40 bis 44: Kalium für den Winter

    Kalium verbessert die Wasserregulation der Pflanze und festigt das Gewebe. Die Narbe geht widerstandsfähiger in den Winter und ist weniger anfällig für Schneeschimmel. Laub konsequent abnehmen, jede liegengebliebene Schicht ist eine Einladung für Moos. Mehr in Rasen herbstfit machen.
  4. Zeitiges Frühjahr · KW 10 bis 11: kalken, falls nötig

    Sobald der Boden abgetrocknet und frostfrei ist, Kalk ausbringen und einwässern. Danach mindestens vier Wochen ruhen lassen, erst dann geht es weiter.
  5. Mitte April bis Anfang Mai · KW 15 bis 18: die Sanierung

    Erster Schnitt, dann vertikutieren, aerifizieren, besanden und im selben Zug nachsäen. Alles in dieselbe Woche, sonst arbeitest du gegen dich selbst. Hast du gekalkt, liegen mindestens vier Wochen dazwischen; ohne Kalkgabe kannst du das Fenster nach vorn auf KW 12 ziehen, sobald die Bodentemperatur passt.
  6. Anfang bis Mitte Mai · ab KW 19: düngen

    Erste Volldüngung frühestens vier, besser sechs Wochen nach dem Kalk, danach zwei bis drei Gaben über die Saison. Mengen in Rasen düngen im Jahresverlauf.

Bedingung für jede Nachsaat: über 8 bis 10 °C im Boden

Weidelgras keimt ab etwa 8 °C Bodentemperatur, Wiesenrispe erst ab 10 bis 12 °C. Miss in 5 cm Tiefe, oder nimm die Forsythienblüte als Faustregel. Ist es zu kalt, liegt das Saatgut wochenlang und verpilzt. Dann trenne die Schritte und schiebe die Nachsaat nach hinten, statt die Narbe offen liegen zu lassen.

Rechne mit zwei Saisons, bis eine stark vermooste Fläche wieder eine dichte Narbe trägt: Im ersten Jahr verschwindet der offensichtliche Teil, im zweiten schließt sich die Narbe.

Moos ist einer der Fälle, in denen sich ein Gartentagebuch auszahlt. Wenn du notierst, wann du gemessen hast, welchen pH-Wert die Fläche hatte, wann Kalk und wann Dünger drauf kam, siehst du im übernächsten Frühjahr, was gewirkt hat. In Gartenkern legst du Aerifizieren, Nachsaat und Düngung als wiederkehrende Aufgaben an. Nach zwei Jahren hast du die Geschichte deiner Fläche.

Häufige Fragen zu Moos im Rasen

Wann Moos im Rasen entfernen?
Das Hauptfenster liegt zwischen Mitte März und Anfang Mai · KW 12 bis 18, sobald der Boden abgetrocknet ist und das Gras nach dem ersten Schnitt wieder wächst. Ein zweites, oft unterschätztes Fenster ist Ende August bis Mitte September · KW 35 bis 38: Der Boden ist warm, die Nächte werden feucht, die Nachsaat läuft zuverlässiger als im kühlen Frühjahr. Bei Sommerhitze und auf nassem Winterboden lässt du die Fläche in Ruhe.
Hilft Kalk gegen Moos im Rasen?
Nur wenn der Boden tatsächlich zu sauer ist, also unter dem Zielbereich deiner Bodenart liegt, gemessen als Laborwert in Calciumchlorid. Auf Sand sind das etwa 5,5 bis 6,0, auf schwerem Lehm 6,5 bis 7,0, siehe die Staffelung weiter oben. Eine pauschale Schwelle gibt es nicht, miss vorher. Ist der pH schon im Zielbereich, verschiebt zusätzlicher Kalk ihn nach oben, und Eisen, Mangan und Phosphor werden für das Gras schlechter verfügbar. Kalk ist ein Korrekturmittel für einen gemessenen Wert, kein Moosvernichter.
Warum kommt das Moos nach dem Vertikutieren wieder?
Weil Vertikutieren die Ursache nicht anfasst. Es entfernt Moosmatte und Rasenfilz und öffnet die Grasnarbe. Bleiben Verdichtung, Schatten oder Nährstoffmangel unverändert und wird nicht nachgesät, sind die offenen Stellen ein Keimbett für die nächste Mooskolonie. Vertikutieren wirkt nur im Paket mit Nachsaat, Düngung und Bodenlockerung.
Was tun, wenn der Rasen im Schatten ständig vermoost?
Zähl zuerst die Stunden direkter Sonne, einmal im Frühjahr und einmal im Hochsommer. Ab etwa vier Stunden hat eine Schattenrasenmischung mit viel Lägerrispe eine Chance, dazu höher mähen mit 5 bis 6 cm. Zwischen drei und vier Stunden trägt sie nur, wenn du jedes Frühjahr nachsäst. Unter drei Stunden trägt keine Grasmischung dauerhaft. Dann ist eine Staudenfläche die bessere Lösung, mit Golderdbeere und Elfenblume, wo Kinder und Haustiere unterwegs sind, sonst auch mit Funkien.
Ist Eisendünger gegen Moos schädlich für Kinder und Haustiere?
Eisen-II-Sulfat reizt Haut, Augen und Schleimhäute und ist beim Verschlucken nicht harmlos. Halte Kinder und Tiere fern, bis die Fläche vollständig abgetrocknet ist, und lass kein Granulat offen liegen. Achte außerdem darauf, was du in der Hand hast: Ein zugelassener Moosvernichter ist ein Pflanzenschutzmittel, seine Gebrauchsanleitung ist bindend, und dort steht auch, ab wann die Fläche wieder betreten werden darf. Ein Eisendünger ist ein Düngemittel: keine Zulassungsnummer, keine solche Auflage, und nach seiner Zweckbestimmung ist er kein Moosmittel. Wirken tut er trotzdem, wer ihn gezielt gegen Moos streut, wendet ihn außerhalb jeder Zulassung an. Die rostbraunen Flecken auf Platten, Holz und Kleidung bekommst du in beiden Fällen nicht mehr heraus.

Rechtliches

Die Angaben zum Pflanzenschutzrecht sind eine Orientierung, keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind das deutsche Pflanzenschutzgesetz (Paragraf 12), in Österreich die Pflanzenschutzmittelgesetze der Bundesländer und in der Schweiz die Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung. Gemeinden und Kleingartenvereine können weiter gehen. Prüfe vor jeder Anwendung die Zulassung des Produkts und seine Gebrauchsanleitung.

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