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Magazin16. Juli 2026 · 8 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 2. August 2026

Saft und Sirup selbst machen: ein Jahr in Flaschen

Von der Holunderblüte im Mai bis zur Apfelpresse im Oktober: So füllst du den Sommer in Flaschen und genießt ihn das ganze Jahr.

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Garten & Redaktion
Mehrere Flaschen mit selbst gemachtem Holunderblütensirup auf einem Tisch
Ein Jahr in Flaschen: Holunderblütensirup, im Frühsommer angesetzt und über Monate genossen. · Foto: Jim Champion (Southampton, UK), Wikimedia Commons
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Es gibt diesen Moment im Januar, wenn draußen alles grau ist und du eine Flasche aus dem Keller holst, die im Juni nach Holunderblüte roch. Ein Schluck ins Wasserglas, und der ganze Frühsommer steht wieder im Raum. Genau darum geht es beim Selbermachen von Saft und Sirup: Du füllst die Ernte in Flaschen und ziehst den Sommer über das ganze Jahr.

Das Schöne daran ist, dass du keine teure Ausstattung brauchst. Ein großer Topf, ein Sieb, ein sauberes Tuch und ein paar Flaschen reichen für den Anfang. Erst wenn der Apfelbaum im Herbst richtig trägt, lohnt der Gedanke an eine Presse. Wir gehen das Gartenjahr der Reihe nach durch, von der ersten Holunderblüte im Mai bis zum letzten Apfel im Oktober.

Auf einen Blick

  • Sirup ist Frucht oder Blüte plus Zucker plus Säure: haltbar durch hohen Zuckergehalt und heißes Abfüllen.
  • Die Saison beginnt mit Holunderblüte in KW 22 bis 24 und endet mit der Apfelpresse in KW 38 bis 42.
  • Blütensirup wird kalt angesetzt und zieht ein bis zwei Tage; Beerensirup wird kurz erhitzt und passiert.
  • Heiß in sterile Flaschen abfüllen, sofort verschließen: so hält Sirup 6 bis 12 Monate.
  • Für klaren Saft brauchst du einen Dampfentsafter oder eine Presse; naturtrüb schmeckt kräftiger.

Ein Jahr in Flaschen

Bevor wir ins Handwerk gehen, hilft ein Blick auf den Kalender. Jede Zutat hat ihr Fenster, und wenn du es kennst, verpasst du nichts.

  • Holunderblüte · KW 22 bis 24Ende Mai bis Mitte Juni, sobald die Dolden cremeweiß und duftend offen stehen. Das Fenster ist kurz, oft nur zehn Tage.
  • Kräuter und Minze · KW 24 bis 30Pfefferminze, Zitronenmelisse und Waldmeister stehen im Juni und Juli im Saft. Ideal für grüne, frische Sirupe.
  • Johannisbeeren · KW 26 bis 30Rote, weiße und schwarze Johannisbeeren reifen Ende Juni bis Ende Juli. Sie geben den kräftigsten Beerensirup.
  • Aronia · KW 34 bis 37Die Apfelbeere reift ab Mitte August. Herb, dunkel, voller Farbe, ein Sirup mit Charakter.
  • Apfelsaft · KW 38 bis 42Von Mitte September bis Mitte Oktober fällt die Hauptmenge. Jetzt lohnt die Presse.
Mehrere Flaschen mit selbst gemachtem Holunderblütensirup auf einem Tisch
Ein Jahr in Flaschen: Holunderblütensirup, im Frühsommer angesetzt und über Monate genossen.· Foto: Jim Champion (Southampton, UK), Wikimedia Commons

Der Anfang: Holunderblütensirup

Kaum ein Sirup ist so dankbar wie der aus Holunderblüten. Du brauchst dafür keinen einzigen Cent an Rohstoff, denn der Schwarze Holunder, Sambucus nigra, wächst an fast jedem Feldrand und in vielen Gärten. Wichtig ist der richtige Tag: Ernte, wenn die Dolden voll offen sind und in der Sonne duften, am besten am späten Vormittag, wenn der Tau abgetrocknet ist. Verarbeite sie noch am selben Tag, denn der feine Duft verfliegt schnell.

Voll aufgeblühte, cremeweiße Doldenblüten des Schwarzen Holunders
Foto: Krzysztof Ziarnek, Kenraiz, Wikimedia Commons

Schüttle die Dolden vorsichtig aus, wasche sie nicht, sonst spülst du den Blütenstaub weg, der den ganzen Geschmack trägt. Kleine Krabbler klopfst du einfach heraus. Schneide die groben Stiele ab, ein Rest grün am Blütchen ist in Ordnung. Etwa zwanzig bis dreißig Dolden reichen für einen Ansatz mit einem Liter Wasser.

  1. Zuckerwasser ansetzen

    Koche einen Liter Wasser mit 800 g Zucker kurz auf, bis sich der Zucker gelöst hat, und lass es lauwarm abkühlen.
  2. Blüten und Säure zugeben

    Gib 25 Holunderdolden, zwei in Scheiben geschnittene Bio-Zitronen und 25 g Zitronensäure dazu. Die Säure macht den Sirup haltbar und hält die Farbe hell.
  3. Ziehen lassen

    Decke den Ansatz ab und stell ihn kühl. Nach ein bis zwei Tagen hat das Wasser Duft und Geschmack aufgenommen.
  4. Abseihen

    Gieße alles durch ein feines Sieb mit einem sauberen Tuch. Drücke die Dolden nicht aus, sonst wird der Sirup trüb und bitter.
  5. Aufkochen und abfüllen

    Erhitze den Sirup noch einmal auf etwa 80 Grad und fülle ihn sofort heiß in sterile Flaschen. Fest verschließen, fertig.

Alle grünen Teile des Holunders, also Blätter, Stiele und unreife Früchte, enthalten Sambunigrin und sind roh leicht giftig. Nimm nur die Blütchen, keine dicken Stiele. Verwechsle den Schwarzen Holunder nicht mit dem giftigeren Zwerg-Holunder (Sambucus ebulus), der krautig wächst und dessen Dolden nach oben stehen statt zu hängen. Im Zweifel eine Dolde weniger ernten.

Grüne Sirupe aus Kräutern

Wenn die Holunderblüte vorbei ist, übernehmen die Kräuter. Pfefferminze und Zitronenmelisse ergeben zwischen KW 24 und 30 einen erfrischenden Sirup, der im Winter an laue Abende erinnert. Das Prinzip bleibt gleich: eine große Handvoll frischer Blätter, ein Liter heißes Zuckerwasser, der Saft von zwei Zitronen und ein Tag Ziehzeit. Waldmeister behandelst du vorsichtiger, denn sein Cumarin schmeckt nur in Maßen gut; lass ihn anwelken und ziehe ihn höchstens zwei Stunden.

Wiege Zucker und Frucht immer im Verhältnis. Als Faustregel für Sirup gilt 1 kg Zucker auf 1 Liter Flüssigkeit oder Fruchtsaft. Weniger Zucker schmeckt frischer, hält aber kürzer und gehört dann in den Kühlschrank oder ins Gefrierfach.

Beerensirup: die kräftige Mitte des Sommers

Ende Juni geht es an die Beeren, und hier wird aus Saft richtig Farbe. Johannisbeeren sind die Klassiker: Die roten geben Säure und Leuchtkraft, die schwarzen einen tiefen, fast herben Ton. Für einen Beerensirup zupfst du die Beeren nicht einzeln ab, du kochst die ganzen Rispen kurz mit wenig Wasser weich, zerdrückst sie und lässt den Saft über Nacht durch ein Tuch tropfen. Am nächsten Tag misst du den Saft, gibst pro Liter etwa 700 bis 800 g Zucker dazu, kochst einmal auf und füllst heiß ab.

Aronia, die Apfelbeere, kommt ab Mitte August dazu. Sie ist herb und dunkel und braucht etwas mehr Zucker und einen Schuss Zitrone, um rund zu werden. Der Aufwand lohnt sich, denn kaum ein Sirup hat so viel Farbe und Tiefe. Mehr zur Pflanze und zur Ernte findest du im Beitrag Aronia, das heimische Superfood, und alles zu den drei Farben der Johannisbeere steht in Johannisbeeren rot, weiß und schwarz.

Schwarzer Holunder

Sambucus nigra

Standort
Sonnig bis halbschattig, anspruchslos
Saison
Blüte KW 22 bis 24, Frucht KW 35 bis 39
Wasserbedarf
Mäßig, verträgt Trockenheit schlecht
Frosthärte
Winterhart bis -25 Grad

Der Herbst gehört dem Apfel

Wenn die Bäume ab Mitte September wirklich tragen, kommt die größte Ernte des Jahres auf einmal. Ein einziger alter Hochstamm einer Sorte wie Apfel 'Boskoop' oder Apfel 'Gravensteiner' kann dich mit mehreren Zentnern überschütten. Frisch essen, verschenken, lagern: Am Ende bleibt oft ein Berg, der nur noch als Saft Sinn ergibt. Und selbst gepresster schlägt jeden gekauften.

Ein Glas frisch gepresster, naturtrüber Apfelsaft
Naturtrüber Apfelsaft aus der eigenen Presse: der Lohn des Herbstes.

Für kleine Mengen reicht ein Dampfentsafter auf dem Herd. Er dämpft den Saft aus den Früchten, du fängst ihn heiß auf und füllst ihn direkt in Flaschen. Dieser Saft ist klar, mild und monatelang haltbar. Für größere Mengen brauchst du eine Obstmühle und eine Presse: Erst werden die Äpfel zu Maische gehäckselt, dann ausgepresst. Der so gewonnene naturtrübe Saft schmeckt intensiver, muss aber haltbar gemacht werden.

  1. Äpfel waschen und sortieren

    Faules aussortieren, Druckstellen großzügig wegschneiden. Der Rest darf ruhig unregelmäßig sein, das schmeckt man dem Saft nicht an.
  2. Zerkleinern

    Mit der Obstmühle oder einem kräftigen Häcksler zu grober Maische verarbeiten. Je feiner die Maische, desto mehr Saft gibt die Presse her.
  3. Pressen

    Die Maische in ein Presstuch füllen und langsam Druck aufbauen. Geduld bringt hier mehr Saft als Gewalt.
  4. Pasteurisieren

    Den Saft auf 78 bis 80 Grad erhitzen, kurz halten, nicht kochen. Über 80 Grad leidet der Geschmack.
  5. Heiß abfüllen

    In saubere Flaschen oder einen Bag-in-Box füllen und sofort verschließen. So hält der Saft bis zum nächsten Sommer.

Apfel

Malus domestica

Standort
Sonnig, tiefgründiger Boden
Saison
Ernte je nach Sorte KW 34 bis 43
Wasserbedarf
Regelmäßig in den ersten Jahren
Frosthärte
Voll winterhart

Haltbarkeit und Hygiene

Ob Sirup oder Saft, die Haltbarkeit steht und fällt mit zwei Dingen: sauberen Flaschen und heißem Abfüllen. Spüle die Flaschen heiß aus und stelle sie bei 120 Grad zehn Minuten in den Backofen, oder koche sie aus. Die Deckel kochst du separat. Fülle immer heiß ein, dann zieht beim Abkühlen ein leichter Unterdruck den Deckel an und dichtet ab.

Kühle Nächte im Herbst sind dein Freund. Ein durchgekühlter Keller mit 8 bis 12 Grad hält Sirup und Saft deutlich länger frisch als ein warmer Vorratsschrank. Frost schadet verschlossenen Flaschen nicht, solange sie nicht randvoll sind; lass immer zwei Zentimeter Luft, damit nichts sprengt.

Angebrochene Flaschen gehören in den Kühlschrank und sind dort etwa zwei bis drei Wochen gut. Wenn Sirup Fäden zieht, schimmelt oder gärig riecht, gehört er weg; das passiert fast nur bei zu wenig Zucker oder unsauberem Abfüllen. Mit dem klassischen Verhältnis von 1 zu 1 aus Zucker und Flüssigkeit bist du auf der sicheren Seite.

Heiß rein, kühl gelagert, dunkel gestellt: so überlebt der Sommer den Winter.

Alte Kellerregel

Womit du anfängst

Wenn du dieses Jahr nur eine Sache machst, dann den Holunderblütensirup Ende Mai. Er kostet fast nichts, gelingt fast immer und schmeckt so gut, dass du von selbst weitermachst. Der Apfelsaft im Herbst ist der große Bruder, der mehr Ausrüstung verlangt, aber die Speisekammer für Monate füllt. Alles dazwischen ist Spielwiese: Probier Kräuter, misch Beeren, notier dir, was dir schmeckt. In ein paar Jahren hast du deine eigenen Rezepte, und das ist der eigentliche Sinn der Sache.

Häufige Fragen

Wie lange hält selbst gemachter Sirup?
Richtig hergestellter Sirup mit dem Verhältnis 1 kg Zucker auf 1 Liter Flüssigkeit, heiß in sterile Flaschen abgefüllt und kühl gelagert, hält ungeöffnet 6 bis 12 Monate. Angebrochen gehört er in den Kühlschrank und ist dort etwa zwei bis drei Wochen haltbar. Zuckerreduzierter Sirup hält deutlich kürzer und sollte eingefroren werden.
Warum wird mein Holunderblütensirup bitter?
Zwei Ursachen sind typisch. Erstens hast du die Dolden beim Abseihen ausgedrückt, dabei lösen sich Bitterstoffe aus den grünen Stielen. Zweitens waren zu viele Stiele im Ansatz. Nimm möglichst nur die Blütchen, schneide grobe Stiele weg und lass den Sirup nur durch das Tuch tropfen, ohne zu pressen.
Kann ich Saft ohne Entsafter oder Presse machen?
Ja. Für kleine Mengen kochst du das Obst mit wenig Wasser weich, zerdrückst es und lässt den Saft über Nacht durch ein Tuch tropfen. Das gibt sauberen Saft, allerdings mit geringerer Ausbeute als eine Presse. Für Äpfel in Mengen lohnt sich langfristig ein Dampfentsafter oder eine kleine Obstpresse.
Wann ist der beste Zeitpunkt für Holunderblüten?
Ende Mai bis Mitte Juni, also etwa KW 22 bis 24. Ernte an einem trockenen, sonnigen Vormittag, wenn die Dolden voll offen sind und deutlich duften. Das Fenster ist kurz, oft nur zehn Tage. Sind die ersten Blütchen schon braun oder fallen ab, ist der beste Moment vorbei.
Muss ich Apfelsaft pasteurisieren?
Naturtrüber Presssaft ja, sonst gärt er innerhalb von Tagen. Erhitze ihn auf 78 bis 80 Grad, halte die Temperatur kurz und fülle sofort heiß ab; koche ihn nicht, sonst leidet der Geschmack. Saft aus dem Dampfentsafter ist bereits pasteurisiert und kann direkt heiß abgefüllt werden.

Rechtlicher Hinweis

Dieser Beitrag ersetzt keine fachkundige Pilz- oder Pflanzenberatung. Sammle nur Wildpflanzen, die du sicher bestimmen kannst, und verzichte im Zweifel. Grüne Holunderteile sind roh giftig und gehören nicht in den Ansatz.

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