Auf einen Blick
- Salatgurke und Einlegegurke sind dieselbe Art in zwei Rollen: die eine wird lang und glatt für die Scheibe, die andere klein und warzig fürs Glas. Entscheide vor der Aussaat, was du ernten willst.
- Gurken sind wärmebedürftige Starkzehrer. Pflanze erst nach den Eisheiligen aus, etwa KW 18 bis 22, in lockere, nährstoffreiche Erde.
- Eine Rankhilfe spart Platz, hält die Früchte sauber und beugt Krankheiten vor. An der Schnur wächst die Gurke gerade statt krumm.
- Moderne Sorten sind fast immer bitterfrei. Wird eine Gurke trotzdem stark bitter, iss sie nicht: dahinter steckt der Bitterstoff Cucurbitacin.
Kaum ein Gemüse belohnt einen warmen Sommer so direkt wie die Gurke (Cucumis sativus). Aus einer Handvoll Pflanzen erntest du über Wochen Körbe voll, und eine sonnengereifte Gurke aus dem eigenen Beet schmeckt frischer und knackiger als jede aus dem Regal.
Die erste Entscheidung fällt schon beim Saatgut: Willst du Gurken für den Salat oder zum Einlegen? Beide gehören zur selben Art, ziehen dich aber in unterschiedliche Richtungen. Klären wir das zuerst, dann geht es an Standort, Rankhilfe und die Frage, warum eine Gurke bitter wird.
Salatgurke oder Einlegegurke?
Die Salatgurke wird lang, glatt und dünnschalig. Im Gewächshaus zieht sie sich problemlos über zwei Meter hoch und liefert eine Gurke nach der anderen. Viele Sorten sind rein weiblich blühend, tragen also besonders reich.
Die Einlegegurke bleibt klein, ist oft warzig und wird eigentlich unreif geerntet, sobald sie fingerlang bis handlang ist. Genau dann ist sie fest genug fürs Einkochen. Sie fühlt sich im Freiland wohl und trägt umso mehr, je öfter du erntest.
Was jede Gurke braucht
Egal welchen Typ du wählst, die Grundbedürfnisse sind gleich. Gurken sind Diven der Wärme.
Die vier Stellschrauben
- Wärme
Unter 12 Grad steht die Gurke still. Pflanze erst nach den Eisheiligen aus und schütze junge Pflanzen an kühlen Nächten mit einem Vlies.
- Nährstoffe
Als Starkzehrer will sie viel Kompost und über die Saison hinweg Nachschub. Eine ausgehungerte Gurke stellt die Ernte schnell ein.
- Gleichmäßig Wasser
Große Blätter verdunsten viel. Trockenstress macht die Früchte bitter und krumm, also lieber öfter durchdringend gießen, immer an die Wurzel.
- Halt zum Klettern
An einer Rankhilfe bleibt das Laub luftig, die Früchte sauber und gerade. Das ist der einfachste Krankheitsschutz überhaupt.
So baust du Gurken an
Vorziehen oder direkt säen
Ab Mitte April ziehst du Gurken warm auf der Fensterbank vor (KW 16 bis 18), oder du säst ab Mitte Mai direkt ins warme Beet. Direktgesäte holen die vorgezogenen oft schnell wieder ein.
Nach den Eisheiligen auspflanzen
Setz die Jungpflanzen erst raus, wenn keine kalten Nächte mehr drohen, also etwa KW 18 bis 22. Gurken nehmen einen Kälteknick lange übel.
Rankhilfe von Anfang an stellen
Ein Gitter, ein Netz oder gespannte Schnüre: Hauptsache die Ranken finden früh Halt. An der Schnur leitest du den Haupttrieb einfach nach oben.
Mulchen und gießen
Eine Mulchschicht hält den Boden feucht und warm. Gieße gleichmäßig mit temperiertem Wasser, kaltes Wasser aus der Leitung schockt die wärmeliebende Pflanze.
Regelmäßig ernten
Je öfter du erntest, desto mehr setzt die Pflanze an. Übersiehst du eine Frucht und sie wird dick und gelb, bremst das den Nachschub.
- Typ
- Einjähriges Fruchtgemüse
- Familie
- Kürbisgewächse
- Standort
- Vollsonnig, warm, windgeschützt
- Aussaat
- Fensterbank ab Mitte April · KW 16 bis 18
- Ins Freiland
- Nach den Eisheiligen · KW 18 bis 22
- Ernte
- Juli bis September · KW 28 bis 38
- Wasserbedarf
- Reichlich, gleichmäßig, temperiert
Salatgurken fühlen sich im Gewächshaus oder an einer warmen, geschützten Wand am wohlsten, weil sie Zugluft nicht mögen. Einlegegurken kommen im Freiland gut zurecht und lassen sich auch flach über den Boden ranken, wenn du keine Rankhilfe stellst. Für die Einlegegurke lohnt es sich, gleich mehrere Pflanzen zu setzen, damit auf einmal genug fürs Einkochen zusammenkommt.
Hochleiten und ausgeizen: so bleibt die Gurke gesund
Wie die Tomate lässt sich auch die Gurke erziehen, und gerade im Gewächshaus zahlt sich das aus. Du leitest den Haupttrieb an einer Schnur senkrecht nach oben und hältst die Pflanze so schlank, luftig und gesund. Frei hängende Früchte wachsen gerade und bleiben sauber.
Der Kniff steckt im unteren Bereich: Bis auf etwa 50 cm Höhe brichst du alle Seitentriebe und die ersten Blüten heraus. Das lenkt die Kraft zunächst ins Wachstum und ins Wurzelwerk, hält Früchte vom feuchten Boden fern und beugt so dem Mehltau vor. Weiter oben lässt du die Seitentriebe stehen und kürzt sie nach ein bis zwei Früchten ein. Erreicht der Haupttrieb das obere Ende der Rankhilfe, kappst du die Spitze. So bleibt die Pflanze überschaubar und trägt trotzdem reich.
Warum wird eine Gurke bitter?
Der Bitterstoff heißt Cucurbitacin und steckt natürlicherweise in allen Kürbisgewächsen. Moderne Speisesorten sind darauf gezüchtet, ihn nicht mehr zu bilden, weshalb gekaufte und die meisten selbst gezogenen Gurken mild sind. Trockenstress, große Hitze oder Kälte können bei empfindlichen Sorten trotzdem etwas Bitterkeit auslösen, meist am Stielansatz.
Stark bittere Gurken nicht essen
Eine leicht bittere Gurke kannst du schälen und am Stielende großzügig wegschneiden. Schmeckt eine Gurke aber intensiv und anhaltend bitter, iss sie nicht und spuck sie aus. Ein hoher Cucurbitacin-Gehalt kann Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auslösen. Besonders wichtig ist das bei selbst gezogenem Saatgut und wenn Zierkürbisse in der Nähe standen: kreuzen sie ein, kann der Bitterstoff zurückkehren.
Wärme, gleichmäßig Wasser und eine Rankhilfe. Trockenstress ist der häufigste Grund für krumme, bittere Früchte.
Die Kern-Regel für saftige Gurken
Häufige Fragen
Meine Gurke blüht viel, setzt aber kaum Früchte an. Warum?
Viele Sorten bilden männliche und weibliche Blüten. Die männlichen (ohne kleine Gurke dahinter) dienen nur der Bestäubung. Fehlen bei kühlem Wetter die Insekten, bleibt der Ansatz aus. Rein weiblich blühende Gewächshaussorten umgehen das Problem.
Warum werden meine Gurken krumm?
Krumme Früchte kommen von ungleichmäßigem Wasser, Nährstoffmangel oder wenn die Frucht beim Wachsen an einem Blatt hängen bleibt. An einer Rankhilfe hängen die Gurken frei und wachsen darum gerader.
Kann ich Salatgurken auch zum Einlegen nehmen?
Zur Not ja, aber sie werden schnell weich. Einlegegurken haben festeres Fleisch und eine dickere Schale, die im Sud knackig bleibt. Umgekehrt schmeckt eine Einlegegurke im Salat etwas fester und weniger saftig.
Weißer Belag auf den Blättern, was tun?
Das ist meist Echter Mehltau, ein Schönwetterpilz auf der Blattoberseite. Entferne befallene Blätter, sorge für luftigen Stand und greif beim nächsten Mal zu einer als mehltautolerant ausgewiesenen Sorte.
Gewächshaus oder Freiland?
Salatgurken danken dir das geschützte, warme Gewächshaus mit reicher Ernte. Einlegegurken und robuste Freilandsorten kommen draußen gut zurecht. Verwandt ist die Zucchini, die als Kürbisgewächs ganz ähnliche Ansprüche hat.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Beitrag informiert über den Anbau und ersetzt keine fachliche Beratung. Bei stark bitter schmeckenden Kürbisgewächsen ist Vorsicht geboten: Cucurbitacin kann Beschwerden auslösen. Verzehre im Zweifel keine bitteren Früchte.
Quellen
- Cucurbitacine in Zucchini, Kürbis und Gurke, Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
- Julius Kühn-Institut: Kulturhinweise Gurke im Haus- und Kleingarten
- Verwandt im Magazin: Zucchini von der Sorte bis zur Ernte und Der Garten im Juli
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