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Magazin12. Juli 2026 · 8 Min. Lesezeit

Herbstlaub verwerten: Laubkompost, Mulch und ein Haufen für den Igel

Herbstlaub ist kein Abfall, sondern der beste kostenlose Bodenverbesserer des Jahres. So machst du daraus Lauberde, Wintermulch und ein Winterquartier für Igel und Nützlinge.

Das Gartenkern-Team
Garten & Redaktion
Großer Haufen bunt gefärbtes Herbstlaub unter kahlen Bäumen
Herbstlaub ist kein Abfall, sondern der Rohstoff für Laubkompost, Mulch und Winterquartiere. · Foto: Jeuwre, Wikimedia Commons
Inhalt

Auf einen Blick

  • Herbstlaub ist Rohstoff, kein Abfall: es füttert das Bodenleben, liefert Humus und schützt Wurzeln über den Winter.
  • Laub von der Wiese und von Wegen abräumen, unter Sträuchern und Hecken darf es liegen bleiben.
  • Aus reinem Laub wird über zwölf bis achtzehn Monate feinkrümelige Lauberde, ideal für Anzuchterde.
  • Als Mulchdecke von 5 bis 8 cm hält Laub Beete offen, warm und unkrautärmer.
  • Ein lockerer Haufen in einer ruhigen Ecke wird zum Winterquartier für Igel und Insekten.

Wenn die ersten Fröste durch sind und die Bäume ihr Laub fallen lassen, hört man in den Kleingartenanlagen überall dasselbe: das Kratzen der Rechen und das Brummen der Laubsauger. Und viel zu oft landet das Laub danach in Säcken am Straßenrand. Dabei hat dir dein Garten gerade den besten Bodenverbesserer des Jahres vor die Füße geworfen, kostenlos und in rauen Mengen. Ein Kirschbaum wirft im Herbst gut und gerne mehrere hundert Liter Laub ab. Mit ein bisschen Wissen wird daraus im Lauf der nächsten Monate Lauberde, Wintermulch und ein Zuhause für die Tiere, die dir im Sommer die Blattläuse wegfressen.

Warum Laub kein Abfall ist

Ein Blatt ist im Grunde ein Sonnenkollektor, den der Baum ein halbes Jahr lang mit Nährstoffen gefüttert hat. Bevor es fällt, zieht der Baum zwar das meiste Stickstoff und den Zucker zurück, aber Kohlenstoff, Lignin, Mineralstoffe und Spurenelemente bleiben im Blatt. Genau das ist die Nahrung für Regenwürmer, Asseln, Springschwänze und die unzähligen Pilze und Bakterien, die im Boden arbeiten. Sie zerlegen das Laub zu Humus, und Humus ist das, was schweren Lehm lockert, Sand wasserhaltig macht und deinen Beeten die dunkle, krümelige Struktur gibt, nach der jeder Gärtner strebt.

Im Wald passiert das ganz von allein: Das Laub bleibt liegen, wird über den Winter von Bodentieren eingearbeitet und ist im nächsten Herbst zur Hälfte verschwunden. Diesen Kreislauf kannst du im Garten nachbauen, du musst das Laub nur an die richtigen Stellen bringen und an den falschen wegräumen.

Der Wald düngt sich seit Jahrtausenden selbst, und niemand fährt ihm den Kompost an.

Alte Gärtnerregel

Erst sammeln, dann sortieren

Nicht jedes Laub verhält sich gleich, und nicht überall stört es. Auf dem Rasen muss es weg, sonst erstickt das Gras unter der nassen Decke und du hast im Frühjahr kahle, gelbe Flecken. Von Wegen, Terrassen und Treppen gehört es aus Sicherheitsgründen gefegt, nasses Laub ist glatt wie Schmierseife. Unter Hecken, Sträuchern und auf abgeernteten Gemüsebeeten dagegen darf es ruhig liegen bleiben, dort macht es genau das, was es soll.

Zusammengeharktes Laub auf einer Wiese im Garten, bereit zum Sammeln
Von der Wiese harken, unter den Sträuchern liegen lassen. · Foto: Dan4th Nicholas, Wikimedia Commons

Beim Sammeln gilt: ein Rechen ist dem Laubsauger fast immer überlegen. Der Sauger häckselt mit dem Laub auch Käfer, Larven und Igelnahrung klein und bläst den Anteil an nützlichem Kleingetier gleich mit weg. Ein Fächerbesen oder ein Laubrechen ist leiser, schont die Tiere und kostet dich nur ein bisschen mehr Bewegung an einem ohnehin kühlen Tag. Nasses Laub lässt sich übrigens leichter zusammenschieben als staubtrockenes, das vom Wind wieder auseinandergetragen wird.

Beim Rotten gibt es schnelle und langsame Blätter. Gut und zügig verrotten die weichen, dünnen Blätter von Obstbäumen, Linde, Ahorn, Birke, Hasel und Esche. Sie sind in einem Jahr fast verschwunden. Langsam und zäh sind die gerbstoffreichen, ledrigen Blätter von Eiche, Kastanie, Platane und Buche, sie brauchen zwei Jahre und mehr. Ein Sonderfall ist die Walnuss: Ihr Laub enthält Juglon, einen Stoff, der das Keimen anderer Pflanzen hemmt. In kleinen Mengen und gut durchgerottet ist das kein Problem, aber schütte kein reines Walnusslaub frisch auf ein Anzuchtbeet.

Zerkleinertes Laub rottet zwei- bis dreimal schneller. Fahre vor dem Aufsetzen einmal mit dem Rasenmäher über die trockene Laubschicht auf dem Rasen. Der Fangkorb sammelt das Häckselgut gleich mit ein, und du bekommst nebenbei einen feinen Grasanteil, der als Stickstoffquelle die Rotte anschiebt.

Laubkompost: der langsame Weg zur Lauberde

Reines Laub verrottet anders als der normale Küchen- und Gartenkompost. Es ist arm an Stickstoff und reich an Kohlenstoff, deshalb arbeiten hier vor allem Pilze statt der wärmeliebenden Bakterien. Der Haufen wird nie richtig heiß, dafür entsteht am Ende eine besonders feine, dunkle, fast schwarze Erde, die Gärtner Lauberde oder Lauberdehumus nennen. Sie ist locker, speichert Wasser wie ein Schwamm und eignet sich hervorragend als Zuschlag für Anzucht- und Topferde.

  1. Platz oder Behälter wählen

    Ein einfacher Ring aus Kaninchendraht mit etwa einem Meter Durchmesser reicht völlig. Alternativ ein schattiges, windgeschütztes Eck hinter der Hütte. Der Standort sollte halbschattig sein, damit der Haufen nicht austrocknet, denn ohne Feuchtigkeit ruht die Rotte.

  2. Laub einfüllen und feucht halten

    Fülle das gesammelte, möglichst zerkleinerte Laub locker ein und wässere jede Schicht gut. Das Laub soll sich anfühlen wie ein ausgewrungener Schwamm, feucht, aber nicht triefend. Trockenes Laub verrottet praktisch nicht.

  3. Etwas Stickstoff dazugeben

    Eine Handvoll fertiger Kompost, etwas Rasenschnitt oder eine dünne Lage Hornspäne zwischen den Laubschichten bringt die Mikroorganismen in Schwung. Nötig ist es nicht, aber es halbiert oft die Wartezeit.

  4. Abdecken und warten

    Ein altes Jutetuch oder ein Vlies obendrauf hält die Feuchtigkeit und lässt trotzdem Luft durch. Jetzt heißt es Geduld. Einmal im Frühjahr umsetzen beschleunigt die Sache, ist aber kein Muss.

  5. Nach zwölf bis achtzehn Monaten ernten

    Wenn die einzelnen Blätter nicht mehr zu erkennen sind und eine krümelige, waldbodenartig duftende Masse übrig bleibt, ist deine Lauberde fertig. Durch ein grobes Sieb geworfen wird sie zur wertvollen Beimischung.

Laubkompost braucht Zeit, das ist der ganze Trick. Wer eine schnelle Lösung sucht, wird enttäuscht sein. Setze am besten jeden Herbst einen neuen Haufen an, dann hast du ab dem zweiten Jahr jedes Frühjahr eine fertige Portion Lauberde. Der Garten ist eben ein Mehrjahres-Projekt.

Mulchen mit Laub: die Winterdecke fürs Beet

Der schnellste Weg, Laub sinnvoll loszuwerden, ist Mulchen. Statt es erst zu kompostieren, verteilst du es direkt dort, wo der Boden über den Winter nicht nackt bleiben soll. Eine Schicht von 5 bis 8 cm schützt vor Verschlämmung durch Winterregen, dämpft starke Fröste, hält Unkraut nieder und wird bis zum Frühjahr von den Regenwürmern zu einem guten Teil eingearbeitet. Nackter Boden dagegen verkrustet, verliert Struktur und schwemmt bei jedem Regen Feinerde weg.

Wo Laubmulch besonders gut passt

  • Beerensträucher

    Himbeere, Johannis- und Stachelbeere sind Flachwurzler und lieben einen kühlen, humosen, gleichmäßig feuchten Boden. Eine Laubdecke ahmt genau den Waldrand nach, aus dem sie ursprünglich stammen.

  • Erdbeeren

    Rund um die Erdbeere hält Laub die reifenden Früchte später sauber und schützt die flachen Wurzeln vor Kahlfrost. Im Frühjahr die Herzen wieder freilegen, damit sie nicht faulen.

  • Abgeerntete Gemüsebeete

    Wo Kohl, Kürbis oder Zucchini abgeräumt sind, verhindert eine Laubdecke, dass der offene Boden über den Winter auslaugt. Im Frühjahr flach einarbeiten oder abräumen.

  • Wärmebedürftige Stauden

    Rhabarber, Kübelpflanzen und frisch gepflanzte Gehölze danken eine schützende Laubschicht über dem Wurzelbereich, wenn es richtig kalt wird.

  • Wege zwischen den Beeten

    Auf Trampelpfaden und schmalen Beetgassen unterdrückt eine dicke Lage Laub das Unkraut und macht auch bei Matschwetter einen begehbaren Belag.

Ein kleiner Wermutstropfen: Auf frisch gemulchte Beete zieht es gern Mäuse, die den Winter im Warmen verbringen wollen. Rund um frisch gepflanzte Obstbäume und bei Zwiebelgewächsen wie dem Knoblauch lässt du deshalb einen handbreiten Ring frei, damit die Nager die Rinde und die Zwiebeln nicht anknabbern.

Ein Haufen für die Tiere

Nicht jedes Blatt muss einen Nutzen für dich haben. Der vielleicht schönste Umgang mit Herbstlaub ist, einen Teil einfach liegen zu lassen. Ein lockerer, unaufgeräumter Laubhaufen in einer stillen Ecke ist ein kleines Naturschutzgebiet auf wenigen Quadratmetern.

Igel läuft über den Boden, im Hintergrund Laub und Gartenbewuchs
Igel suchen ab Oktober ein frostsicheres Quartier, ein Laubhaufen ist ideal. · Foto: Jamain, Wikimedia Commons

Igel halten von etwa November bis März Winterschlaf und brauchen dafür ein trockenes, gut isoliertes Versteck. Ein Haufen aus Laub, Reisig und ein paar Ästen an einer geschützten Stelle ist genau das. Wichtig: Prüfe einen alten Laubhaufen niemals mit der Grabegabel und zünde ihn nicht an, ohne ihn vorsichtig umzuschichten. Unter dem Laub überwintern außerdem Kröten, Molche, Käfer, Florfliegen und Marienkäfer, also genau die Nützlinge, die dir im Frühjahr die Schädlinge in Schach halten.

Wenn du magst, kombinierst du das mit einer sogenannten Benjeshecke: eine lockere Aufschichtung aus Ästen, in die du das Laub einfüllst. Sie verrottet langsam von unten, du kannst oben immer nachlegen, und sie bietet Vögeln und Kleingetier ganzjährig Deckung. So schließt sich der Kreis zwischen Aufräumen und Lebensraum, ganz ohne Sack am Straßenrand.

Häufige Fehler beim Laubverwerten

Auch beim Laub kann man ein paar Dinge falsch machen. Das meiste davon ist schnell erklärt und ebenso schnell vermieden.

Krankes Laub gehört nicht auf den Kompost und nicht als Mulch ins Beet. Blätter mit Schorf, Sternrußtau an Rosen, Birnengitterrost oder Kirschblattbräune tragen die Pilzsporen ins nächste Jahr. Solches Laub kommt in die Biotonne oder wird verbrannt, wo das erlaubt ist. Auch Laub von stark befahrenen Straßen mit Schadstoffbelastung meidest du besser für den Gemüsegarten.

Die drei anderen Klassiker: Erstens die Rasenfläche zu lange bedeckt lassen, das gibt kahle Stellen. Zweitens den Laubkompost austrocknen lassen, ohne Feuchtigkeit passiert schlicht nichts. Und drittens eine viel zu dicke, nasse Laubmatte direkt an den Stamm oder das Herz einer Staude packen, das fördert Fäulnis. Ein bisschen Luft und Abstand, und das Laub arbeitet für dich statt gegen dich.

Häufige Fragen zum Herbstlaub

Kann ich einfach das ganze Laub auf den normalen Kompost werfen?

In Maßen ja, aber nicht in großen Mengen auf einmal. Laub ist sehr kohlenstoffreich und stickstoffarm, ein Kompost aus reinem Laub verrottet nur langsam. Mische Laub am besten in dünnen Lagen mit stickstoffreichem Material wie Rasenschnitt, Gemüseresten oder etwas fertigem Kompost. Größere Laubmengen setzt du besser separat als Laubkompost an, dann bekommst du gezielt feine Lauberde.

Wie lange dauert es, bis aus Laub Erde wird?

Weiches Laub von Obstbäumen, Ahorn oder Linde ist in etwa zwölf Monaten zu Lauberde verrottet. Ledriges Laub von Eiche, Buche, Platane und Kastanie braucht zwei Jahre oder länger. Zerkleinern, Feuchthalten und eine Prise Stickstoff verkürzen die Wartezeit deutlich.

Welches Laub sollte ich nicht verwenden?

Meide krankes Laub mit sichtbarem Pilzbefall wie Schorf, Rost oder Sternrußtau, das trägt die Sporen weiter. Walnusslaub nur gut durchgerottet und nicht pur auf Anzuchtbeete, weil sein Juglon das Keimen hemmt. Und Laub von schadstoffbelasteten Straßenrändern gehört nicht in den Gemüsegarten.

Muss ich das Laub vom Rasen wirklich entfernen?

Ja. Gras braucht auch im Winter Licht. Eine geschlossene, nasse Laubdecke lässt darunter Fäulnis und Schneeschimmel entstehen, und im Frühjahr hast du gelbe, kahle Stellen. Harke den Rasen etwa alle ein bis zwei Wochen ab, solange die Bäume laubwerfen, und bring das Laub auf Beete, in den Laubkompost oder auf den Tierhaufen.

Ist ein Laubhaufen für Igel wirklich sinnvoll oder nur eine nette Idee?

Er ist wirklich sinnvoll. Igel finden in aufgeräumten Gärten kaum noch geeignete Winterquartiere, und ein trockener, lockerer Haufen aus Laub und Reisig an einer ruhigen Stelle wird gern angenommen. Lass ihn von Oktober bis in den April ungestört liegen und stochere nicht mit der Gabel hinein.

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