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Magazin12. Juli 2026 · 7 Min. Lesezeit

Pastinake und Schwarzwurzel: die vergessenen Wintergemüse

Zwei robuste Wurzeln, die man kaum noch kennt: Pastinake und Schwarzwurzel säst du im Frühjahr, erntest sie den ganzen Winter und Frost macht sie sogar süßer. So gelingt der Anbau.

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Garten & Redaktion
Verschiedene Wurzelgemüse wie Karotte, Zwiebel und Ingwer auf hellem Grund
Wintergemüse aus dem eigenen Beet: Wurzeln, die den ersten Frost gut vertragen. · Foto: Alex Lomas, Wikimedia Commons
Inhalt

Auf einen Blick

  • Pastinake und Schwarzwurzel säst du früh, zwischen Mitte März und Anfang Mai · KW 12 bis 18, direkt ins Beet.
  • Beide brauchen tiefgründigen, steinfreien Boden, sonst verzweigen sich die langen Pfahlwurzeln.
  • Das Saatgut ist kurzlebig: nimm immer frische Samen der aktuellen Saison.
  • Die Keimung dauert 2 bis 4 Wochen. Halte das Saatbett gleichmäßig feucht und hab Geduld.
  • Frost macht beide süßer. Du erntest den ganzen Winter frisch aus dem Beet, kein Einlagern nötig.

Es gibt Gemüse, das in fast jedem Beet steht, und es gibt Gemüse, das man nur noch von der Oma kennt. Pastinake und Schwarzwurzel gehören zur zweiten Sorte. Dabei sind sie genau das, was ein Selbstversorger-Beet im Winter braucht: robuste Wurzeln, die bei Frost nicht kapitulieren, sondern besser werden. Wer sie einmal im Februar aus dem kalten Boden zieht, versteht schnell, warum sie über Jahrhunderte ein Grundnahrungsmittel waren, bevor Kartoffel und Möhre ihnen den Platz streitig machten.

Warum zwei gute Wurzeln in Vergessenheit gerieten

Die Pastinake (Pastinaca sativa) war im Mitteleuropa des Mittelalters ein Grundgemüse, sättigend und lange lagerfähig. Als die Kartoffel kam, verschwand sie fast völlig aus den Gärten und blieb nur in England und Frankreich in Ehren. Die Schwarzwurzel (Scorzonera hispanica) teilt dieses Schicksal: Früher hieß sie liebevoll Winterspargel, heute steht sie kaum noch im Supermarkt, weil das Schälen der schwarzen Rinde als Arbeit gilt.

Für dich im eigenen Garten kehrt sich dieser Nachteil um. Beide Wurzeln sind anspruchslos in der Pflege, kaum von Schädlingen geplagt und stehen genau dann erntereif im Beet, wenn sonst wenig Frisches wächst. Was im Handel unpraktisch wirkt, ist im Hausgarten ein Geschenk.

Drei geerntete Pastinakenwurzeln, cremeweiß und spitz zulaufend, auf einem Teller
Reife Pastinaken, cremeweiß und spitz zulaufend. · Foto: Veganbaking.net, Wikimedia Commons

Die Pastinake sieht aus wie eine blasse, kräftige Möhre und schmeckt süßlich-nussig, fast ein wenig nach Sellerie. Sie ist reich an Stärke und wird beim Kochen wunderbar cremig, weshalb sie sich für Suppen, Püree und Ofengemüse anbietet. Ihre Wurzel wird 20 bis 40 cm lang, deshalb entscheidet die Bodentiefe über die Ernte.

Der Boden entscheidet alles

Wenn eine einzige Sache über Erfolg oder Frust bei diesen beiden Kulturen entscheidet, dann ist es der Boden. Pfahlwurzeln, die auf einen Stein oder eine verdichtete Schicht treffen, gabeln sich, wachsen krumm oder bleiben kurz. Das Ergebnis schmeckt genauso gut, lässt sich aber kaum schälen.

Lockere das Beet vor der Aussaat spatentief, am besten 30 bis 40 cm tief, und lies grobe Steine heraus. Schwere Tonböden magerst du mit etwas Sand ab. Frischen Mist bringst du nie aus, er treibt die Wurzeln zum Verzweigen und lockt bei der Pastinake die Möhrenfliege an. Reifer Kompost, flach eingearbeitet, reicht völlig. Am elegantesten bereitest du das Beet schon im Herbst des Vorjahres vor.

Ein tief gelockertes, steinfreies Beet ist die halbe Ernte. Wer schweren Boden hat, baut Pastinake und Schwarzwurzel in einem Hochbeet oder einer tiefen Kiste mit lockerer Erde an, dann werden die Wurzeln zuverlässig gerade.

Aussaat: früh säen und geduldig bleiben

Beide Wurzeln werden ausschließlich direkt ins Freiland gesät, denn Vorziehen und Umpflanzen schädigt die empfindliche Pfahlwurzel. Der beste Zeitraum liegt zwischen Mitte März und Anfang Mai · KW 12 bis 18, sobald der Boden begehbar und ein paar Grad warm ist. Die Pastinake keimt schon ab etwa 8 °C, die Schwarzwurzel mag es mit rund 10 °C etwas wärmer.

Wichtig ist die Geduld: Die Keimung zieht sich über 2 bis 4 Wochen hin, viel länger als bei Radieschen oder Salat. In dieser Zeit darf das Saatbett nicht austrocknen, sonst geht die Saat lückig auf. Ein alter Gärtnertrick ist, schnell keimende Radieschen als Markiersaat mit in die Reihe zu geben. Sie zeigen dir, wo die Reihe verläuft, und sind längst geerntet, bevor die Wurzeln Platz brauchen.

  1. Beet vorbereiten

    Lockere den Boden spatentief, entferne Steine und harke die Oberfläche fein. Arbeite reifen Kompost flach ein, keinen frischen Mist.

  2. Frisches Saatgut wählen

    Nimm ausschließlich Samen der aktuellen Saison. Die Keimfähigkeit beider Arten lässt schon nach einem Jahr stark nach, alte Samen sind der häufigste Grund für Fehlschläge.

  3. In Reihen säen

    Ziehe Rillen im Abstand von 30 bis 40 cm und lege die Samen 1,5 bis 3 cm tief. Die Pastinake ist ein Lichtkeimer und will nur dünn bedeckt werden.

  4. Feucht halten

    Halte das Saatbett bis zum Auflaufen gleichmäßig feucht. Das ist die wichtigste Aufgabe der ganzen ersten Wochen.

  5. Vereinzeln

    Sobald die Sämlinge kräftig genug sind, vereinzelst du sie auf 10 bis 15 cm Abstand in der Reihe. So bekommt jede Wurzel Raum, dick zu werden.

Pflege über die Saison

Ist die Saat erst aufgelaufen, wird es entspannt. Beide Kulturen gehören zu den pflegeleichtesten im Beet und brauchen über den Sommer wenig Aufmerksamkeit.

  • Gleichmäßig gießen

    Halte den Boden feucht, aber ohne Staunässe. Trockenheit macht die Wurzeln zäh und holzig, dauernde Nässe lässt sie faulen.

  • Nicht nachdüngen

    Nach dem Auflaufen brauchst du in der Regel nicht mehr zu düngen. Zu viel Stickstoff führt zu schwammigen, verzweigten Wurzeln.

  • Beikraut jäten

    Die langsame Jugend ist die einzige heikle Phase. Halte die Reihen früh unkrautfrei, damit die kleinen Sämlinge nicht überwachsen werden.

  • Fruchtfolge einhalten

    Baue Doldenblütler und Korbblütler nicht Jahr für Jahr am selben Platz an. Drei bis vier Jahre Pause halten Bodenmüdigkeit und Krankheiten klein.

Warum der Frost sie süß macht

Hier liegt das eigentliche Geheimnis dieser beiden Wurzeln, und es ist der Grund, warum du sie nicht im Herbst hektisch ernten musst. Bei Kälte wandelt die Pflanze einen Teil ihrer eingelagerten Stärke in Zucker um. Das ist Frostschutz: Zucker senkt den Gefrierpunkt im Gewebe, ähnlich wie Streusalz. Für dich schmeckt das Ergebnis nach den ersten Nächten unter null deutlich milder und süßer.

Pastinake und Schwarzwurzel schmecken erst richtig, wenn der erste Frost über sie gegangen ist.

Alte Gärtnerregel

Deshalb bleiben beide Kulturen einfach im Boden stehen. Die Wurzeln vertragen im DACH-Tiefland Fröste bis unter minus zehn Grad schadlos, die Schwarzwurzel sogar noch tiefer. Du gräbst nichts aus und lagerst nichts ein, sondern erntest frisch, wann immer du etwas brauchst.

Deck das Beet ab Oktober · etwa KW 40 mit einer Lage Stroh, Laub oder Reisig ab. Nicht, weil die Wurzeln Schutz zum Überleben brauchen, sondern damit der Boden griffig bleibt und du auch bei Dauerfrost mit der Grabegabel herankommst.

Ernten den ganzen Winter

Die Erntezeit reicht von Oktober bis in den März · KW 40 bis 13. Du hebst die Wurzeln mit der Grabegabel vorsichtig aus, denn gerade die spröde Schwarzwurzel bricht leicht, und aus jeder Bruchstelle tritt ein klebriger weißer Milchsaft aus, der an den Fingern braun anläuft. Wer die Schwarzwurzel schält, arbeitet deshalb am besten mit Handschuhen und legt die Stangen gleich in Wasser mit einem Schuss Essig.

Blattrosette einer Schwarzwurzel im Gartenbeet mit lanzettlichen grünen Blättern
Die Blattrosette der Schwarzwurzel, die Wurzel wächst darunter tief in den Boden. · Foto: Agnieszka Kwiecień, Nova, Wikimedia Commons

Die Schwarzwurzel trägt ihren Namen von der dunkelbraunen bis schwarzen Rinde. Darunter steckt schneeweißes, feines Fleisch mit einem zart nussigen, an Spargel erinnernden Geschmack, daher der alte Name Winterspargel. Im ersten Jahr bildet die Pflanze nur die Blattrosette und die lange Wurzel. Lässt du einzelne Pflanzen stehen, blühen sie im zweiten Jahr gelb und liefern dir eigenes Saatgut.

Ganz gleich, für welche der beiden du dich entscheidest, plane die letzten Wurzeln bis Ende März aus dem Beet zu holen. Danach treiben sie neu aus, werden holzig und schießen in die Blüte. Wer eine milde Alternative sucht, probiert die eng verwandte Haferwurzel, die Austernpflanze, die ähnlich kultiviert wird.

Pastinake oder Schwarzwurzel, was passt zu dir?

Beide teilen sich Standort und Pflege, unterscheiden sich aber im Charakter. Die Pastinake ist die unkompliziertere Einsteigerin: dickere Wurzel, leichter zu schälen, süßlich-mild im Geschmack, ideal für Suppe und Ofen. Die Schwarzwurzel ist die feine, etwas aufwändigere Delikatesse mit ihrem Spargelaroma und dem klebrigen Milchsaft beim Putzen.

Wer zum ersten Mal ein vergessenes Wintergemüse anbaut, fängt am besten mit der Pastinake an. Sie verzeiht mehr und liefert früh ein Erfolgserlebnis. Die Schwarzwurzel kommt im Jahr darauf dazu, wenn die Freude am Winterbeet gepackt hat.

Pastinake

Pastinaca sativa

Familie
Doldenblütler (Apiaceae)
Standort
Sonnig, tiefgründiger steinfreier Boden
Saison
Aussaat KW 12 bis 18 · Ernte Oktober bis März
Wasserbedarf
Mittel, gleichmäßig feucht
Frosthärte
Winterhart bis etwa minus 10 °C

Schwarzwurzel

Scorzonera hispanica

Familie
Korbblütler (Asteraceae)
Standort
Sonnig, tief gelockerter sandig-humoser Boden
Saison
Aussaat KW 12 bis 18 · Ernte Oktober bis März
Wasserbedarf
Mittel, keine Staunässe
Frosthärte
Sehr winterhart, verträgt strengen Frost

Häufige Fragen zu Pastinake und Schwarzwurzel

Wann sät man Pastinake und Schwarzwurzel aus?

Beide werden ab Mitte März bis Anfang Mai · KW 12 bis 18 direkt ins Freiland gesät, sobald der Boden begehbar und ein paar Grad warm ist. Vorziehen im Topf lohnt nicht, weil die empfindliche Pfahlwurzel das Umpflanzen nicht verträgt und sich dann verzweigt.

Warum keimt meine Aussaat nicht?

Der häufigste Grund ist altes Saatgut. Die Keimfähigkeit beider Arten lässt schon nach einem Jahr stark nach, nimm daher immer frische Samen der aktuellen Saison. Der zweite Grund ist ein ausgetrocknetes Saatbett: Die Keimung dauert 2 bis 4 Wochen, in denen der Boden gleichmäßig feucht bleiben muss.

Muss ich die Wurzeln vor dem Winter ernten?

Nein. Pastinake und Schwarzwurzel bleiben den ganzen Winter im Beet und werden durch Frost sogar süßer. Du erntest frisch nach Bedarf, solange der Boden nicht tief gefroren ist. Eine Abdeckung aus Stroh oder Laub hält den Boden griffig, damit du auch bei Kälte herankommst.

Warum sind meine Wurzeln verzweigt und krumm?

Verzweigte Wurzeln entstehen durch Steine, verdichtete Bodenschichten oder frischen Mist. Lockere das Beet vor der Aussaat spatentief, lies Steine heraus und dünge nur mit reifem Kompost. Auf schwerem Boden helfen ein Hochbeet oder eine tiefe Kiste mit lockerer Erde.

Wie schäle ich Schwarzwurzeln, ohne dass alles klebt?

Beim Schälen tritt ein klebriger weißer Milchsaft aus, der an Händen und Klinge braun anläuft. Arbeite mit Handschuhen, schäle unter fließendem Wasser und lege die geschälten Stangen sofort in Wasser mit einem Schuss Essig oder Zitrone. So bleiben sie hell und die Hände sauber.

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